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SPORT FÜR BERLIN
gemeinnützige Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft des Landessportbundes Berlin e.V.

Mal kieken, was „kick“ im Angebot hat

Marzahn Süd, so sagte uns Sozialpädagogin Sabine Straube, Leiterin des Kick- Standortes im Bezirk Marzahn/Hellersdorf, ist „ein kinderreiches Wohngebiet mit einer Vielzahl sozialer Probleme“. Nicht wenige der dort wohnenden Familien sind von Arbeitslosigkeit betroffen oder müssen von Hartz IV leben. Viele Kinder und Jugendliche sind auf sich allein gestellt. Die Gefahr von Langeweile, Orientierungs- und Perspektivlosigkeit, die sich sehr schnell in Frust und Aggressionen umwandeln können, kann man im Umfeld der Einrichtung spüren.
Die Mitarbeiter des KICK- Standortes Marzahn, unter denen sich mit Dietmar Lorenz auch ein leibhaftiger Olympiasieger (Judo 1980) befindet, versuchen mit einem vielfältigen Programm, reich vor allem an sportlichen Angeboten, Mädchen und Jungen von der Straße wegzulocken. Die Altersspanne reicht von 10 bis 25 Jahre. Dank einer engen Zusammenarbeit mit dem Polizeiabschnitt 62 und den umliegenden Schulen werden auch kurz vor einer Strafe stehende sowie bereits straffällig gewordene Jugendliche angesprochen. Die Eltern dieser Jugendlichen erhalten gemeinsam mit ihrem Nachwuchs eine Einladung zu einem Besuch der Einrichtung. Bei Sportangeboten und durch sozialpädagogische Methoden soll ein weiteres Abgleiten in die Kriminalität verhindert werden. Die Jugendlichen sollen zu einer sinnvollen Freizeitgestaltung hingeführt und bei Interesse auch perspektivisch in Sportvereine integriert werden. Die erste Station auf diesem möglichen Weg aber bleibt das Haus an der Fichtelbergstraße.

Außen und Innen
Was dort nicht nur zu sehen ist, sondern für jedermanns aktive Teilnahme auch bereitsteht, lässt die Herzen höher schlagen: Im Außenbereich reichen die sportlichen Angebote von einem Beach-Volleyballplatz, den die Jugendlichen selbst gebaut haben, bis zu einer Halfpipe und einer Boulderwand - Ergebnis der erfolgreichen Teilnahme an einem Jugendwettbewerb - bis hin zu einer gemeinsam gebauten Sitzecke. Im Innern des Gebäudes (welches das Jugendamt von Marzahn dem Kick- Standort per Nutzungsvertrag zur Verfügung stellte) warten weitere Beschäftigungsmöglichkeiten auf den Besucher: Tischtennisplatten, Billardtische, Kraftraum, Computerzimmer. Die Resonanz ist groß, bis zu 80 Kinder und Jugendliche frequentieren das Haus, dessen Türen montags bis freitags von 13 bis 19 Uhr geöffnet sind, täglich. Auch von den von der Polizei vermittelten Jugendlichen entscheiden sich auf vollkommen freiwilliger Basis bis zu 30 Prozent fürs Mitmachen.

Eine warme Mahlzeit
Doch nicht mit sportlichen und anderen Freizeitangeboten lockt das Haus, das vom Verein für Sport und Jugendsozialarbeit VSJ betrieben und aus Lottomitteln finanziert wird. Im Jahr 2007 wurden die Betriebskosten für das Haus mit einer Spende von 7.000 Euro durch die Marzahner Firma FLEXIM gestützt, sonst hätte das Haus aus Kostengründen nicht mehr weiter betrieben werden können.
Dank der Lebensmittelspenden der Berliner Tafel kann in der Küche der Einrichtung gemeinsam mit interessierten Jugendlichen gekocht werden. Da ist schon der eine oder andere Interessierte später Koch geworden. Da einige der Jungen und Mädchen auf Grund wachsender Armut unzureichend versorgt werden, ist die Nachfrage nach einer kostenlosen Mahlzeit groß.
Überrascht wurden die Mitarbeiter der Einrichtung, als währender Sommertage 2007 zwei ganz junge Eltern mit fünfjährigen Kindern vorsprachen und fragten, ob sie mit ihrem Nachwuchs die Angebote des Hauses im offenen Bereich nutzen könnten. Einwände gab es nicht. Bald aber waren die Eltern nicht nur von ihren eigenen Schützlingen umringt. Auch bereits etwas ältere Stammgäste wollten mitmachen und hatten somit die Familien integriert. Nach mehr als zwei Stunden waren beide Seiten etwas erschöpft, aber zufrieden. Eine Fortführung dieser speziellen Zusammenarbeit wurde vereinbart.
Eltern sind immer herzlich willkommen, um sich bei den Pädagogen Rat zu holen, sich mit Ihnen über Erziehungsprobleme auszutauschen oder sich über Angebote des Hauses zu informieren oder einfach um mal mit ihrem Kind ein Spiel zu wagen.

Gruppenangebote
Hochbetrieb herrschte während unseres Besuches im Computerraum. Mehr als zehn Kids surften, spielten oder diskutierten. Obwohl, so die Aussage von Sabine Straube, bei weitem nicht nur Deutsche die Einrichtung nutzen, waren Nationalitätenprobleme nicht zu erkennen. Auch die Jugendlichen aus den verschiedenen Staaten
Ex-Jugoslawiens, die sich in der Einrichtung regelmäßig zum Breakdance treffen, verhalten sich untereinander freundschaftlich, so die Sozialpädagogin Frau Straube.
Neben verschiedenen Kursen, wie Fußball, Basteln und Malen sowie Kochen und Backen gibt es für Interessierte samstags ein zusätzliches Gruppenangebot. Mit dem Clubrat, in dem der aktivste Teil der Kinder und Jugendlichen mitarbeitet, wird gemeinsam beraten, was man unternehmen könnte. Manchmal geht es zum Baden, aber auch Radtouren, Minigolfspielen und sogar Tagesausflüge ins Berliner Umland, zum Reiten, Draisine fahren oder Flößen können im Angebot stehen. Während die Veranstaltungen in der Einrichtung für alle kostenlos sind, müssen sich die Kids an den Exkursionen finanziell mit einem geringen Obolus beteiligen.

MAE in der Praxis
Ohne drei MAE-Kräfte, die dem Kick- Standort in Marzahn von der BQG Sport für Berlin vermittelt wurden, wäre eine solche intensive und aufwendige Jugendarbeit nicht möglich. Probleme bei der Einarbeitung habe es keine gegeben, sagte uns Sabine Straube. „Wer mit Kindern umgehen kann, engagiert und sportlich aufgeschlossen ist, der ist bei uns genau richtig.“ Während sich Frau Krieger und Franzi bei der Betreuung im offenen Kinder- und Jugendbereich engagieren, sorgt Jaqueline als Küchenfee dafür, dass Hunger und Durst gestillt werden können.
Einen Wunsch äußerte die Leiterin des Hauses am Ende unseres Besuches. Bei den in der Einrichtung vorhandenen gebrauchten Fahrrädern, die von der Polizei dem Standort zur Verfügung gestellt wurden, die auch für Radtouren genutzt werden, stellen sich relativ häufig kleinere Probleme und Defekte ein. Ein kompetenter, technisch beschlagener (MAE-) Mitarbeiter wäre da eine große Hilfe.

Peter Herrmann

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