SPORT FÜR BERLIN
gemeinnützige Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft des Landessportbundes Berlin e.V.

Vom „Purzelsport“ zu „Kinder in Bewegung“
Der LSB Berlin und seine nach geordneten Gesellschaften haben ein Herz für Kinder

Nicht nur die Nachrichten in den Medien, auch die mit eigenen Augen gemachten Erfahrungen bestätigen dem interessierten Zeitgenossen, dass es mit der Gesundheit und dem Wohlbefinden der heranwachsenden Generation in der Bundesrepublik nicht zum Besten bestellt ist. Zu viel und zu kalorienreiches Essen, zu wenig Bewegung, stundenlanges Sitzen vor dem PC oder dem Fernsehapparat bei Kindern und Jugendlichen führen zu Übergewicht, Trägheit, Bequemlichkeit. Die BQG Sport für Berlin, speziell einer ihrer Mitbegründer, der langjährige Vorsitzender der Berliner Sportjugend Manfred Nippe, hat sich seit ihrer Gründung im Jahr 1992 das Thema Kinder- und Jugendsport auf ihre Fahnen geschrieben. „Bereits Anfang der siebziger Jahre habe ich unter dem Slogan ‚Langes Sitzen macht nicht klüger, Kinder brauchen Bewegung’ auf Grund der Warnungen der Kinderärzte die Bewegungserziehung in Programmen immer wieder umgesetzt - mit Modellmaßnahmen, Tagungen, Kongressen, Forschungsprojekten in Kindertagesstätten. Das Hauptproblem war es, dass die in den Kitas hauptberuflich tätigen Erzieher im Bereich des Sports nicht ausgebildet oder qualifiziert wurden“ erklärte Manfred Nippe in einem Interview.
Diesen Zustand nachhaltig zu verändern, dass hatte sich die BQG „Sport für Berlin“, eine hundertprozentige Tochter des Landessportbundes Berlin, auf ihre Fahnen geschrieben. Auf Grund ihrer Initiative wurde im den Jahr 1999 ein ABM-Projekt mit dem Namen „Purzelsport“ ins Leben gerufen, in dem arbeitslose Sportpädagogen und Erzieher in Kitas und Sportverei-nen bei der Betreuung von Mädchen und Jungen eine (leider zeitlich begrenzte) sinnvolle Betätigung fanden.
In der vorangegangenen Legislaturperiode fasste der Berliner Senat den Beschluss, das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Kindergärten in öffentlicher Hand und Kitas in freier Trä-gerschaft zugunsten letzterer zu verändern, weil diese kostengünstiger arbeiten, ohne dass die Qualität der Betreuung leidet. Auch aufbauend auf den positiven Erfahrungen, die die BQG „Sport für Berlin“ im Projekt „Purzelsport“ bei der sportlichen Betreuung von Kindern gesammelt hatte, entschieden sich im Jahr 2003 der Landessport Berlin sowie die Berliner Sportjugend, die gemeinnützige Kindergarten-Trägergesellschaft „Kinder in Bewegung“, kurz KiB, zu gründen.

Wenn Kinder sich ausreichend bewegen, sind sie gesünder, ausgeglichener, sozial kom-petenter und lernen leichter. Körper- und Bewegungserfahrungen sind eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung der Sprache und dienen damit auch der Kommunikation zwischen den Kindern. Mit dieser Kernaussage wandte sich KiB im Jahr 2004 an die zuständigen Ämter aller Berliner Bezirke, suchte Kindergärten, die bereit waren, in ihrer Arbeit das von KiB vorgegebene Motto, „Kinder erobern sich die Welt“, umzusetzen.
Die einzelnen Bezirke entschieden dann, welche Einrichtung aus ihrem Kita-Bestand für eine Übernahme in Frage kommen könnte. Doch auch die in den einzeln Einrichtungen be-schäftigen Mitarbeiter hatten bei der Entscheidung für oder gegen KiB volles Mitsprache-recht. Im Bezirk Lichtenberg beteiligten sich sogar die Eltern an diesem, für die zukünftige Entwicklung ihrer Kinder wichtigen Schritt.
21 Kitas, die rund 2.500 Kinder betreuen, sind heute unter dem Dach von KiB vereint. Nicht alle Bewerber konnten berücksichtig werden, manche mussten zurückgestellt werden, da die örtlichen bzw. räumlichen Voraussetzungen nicht adäquat zu den Ansprüchen von KiB waren bzw. nur mit hohen finanziellen Aufwendungen hätten erreicht werden können. Die Altersgrenze für die Aufnahme in eine Einrichtung von KiB ist von Kita zu Kita unterschied-lich. Auch die Zahl der in den einzelnen Kindergärten betreuten Kinder variiert. Es gibt grö-ßere Kitas, wie Tabaluga am Zwickauer Damm in Britz, wo 136 Mädchen und Jungen im Alter von 8 Wochen bis zum Schulbeginn Platz finden (von hier sind auch unsere Fotos). Andererseits gibt es auch Einrichtungen, wo die Sprössling erst ab dem Alter von einem bzw. anderthalb Jahren aufgenommen werden (beispielsweise die Kita Pfiffikus im Wedding oder Fuli Kids in Neukölln).

Anfangs hatte die Gründer von KiB das Ziel, in möglichst jedem Berliner Bezirk einen „Leuchtturm“ zu haben. „Doch davon sind wir schnell wieder abgekommen“, sagt Diplom-Sportlehrer Bernd Wille, der bis zu seiner Berufung in die Geschäftsführung von KiB in der Berliner Sportjugend und danach beim Aufbau des Vereins für Sport und Jugendsozialarbeit (VSJ) tätig war. Technisch-organisatorische Gründe waren es hauptsächlich. Beispielsweise wären notwendige Krankheits- und Urlaubsvertretung bei einer großen räumlichen Distanz nur schwer zu bewältigen. So konzentrieren sich die Einrichtung heute auf die Bezirke Span-dau, Reinickendorf, Charlottenburg, Mitte, Lichtenberg, Neukölln und Treptow-Köpenick, in den jeweils mindestens zwei Kitas zu KiB gehören. Allen KiB-Kindergärten gemein ist das gleiche Erziehungs- und Betreuungsprogramm. Neben vielen Bewegungsmomenten stehen in den von KiB geführten Kindergärten kreative Angebote, altersgemäße Lernanreize, spannen-de Projekte und regelmäßige Ausflüge für Stadt- und Naturerlebnisse im Mittelpunkt der Betreuung.
Alle Kindergärten verfügen über Bewegungsräume für Bewegung mit spezieller Ausstattung sowie über Freiflächen zum Spielen und Toben an der frischen Luft. Eine eigene Küche sorgt in nahezu alle Einrichtungen für eine vollwertige gesunde Kost. Die kindgerechten Mahlzeiten werden in eigenen Küchen zubereitet. Der monatliche Obolus der Eltern für die Betreuung ihrer Kinder in den Einrichtung von KiB ist im Kostenbeteiligungsgesetz des Berliner Senats festgelegt, er ist um keinen Cent höher als in anderen Einrichtungen. Lediglich für besondere Angebote wie Schwimmlernkurse oder Erlernen eines Musikinstruments müssen Extrakosten beglichen werden.

Um den selbst gesteckten hohen Zielen gerecht werden zu können, bot und bietet KIB allen beschäftigten Erziehern und Sozialarbeitern regelmäßige Fortbildungsveranstaltungen. Auch Angebote der Berliner Sportjugend und des LSB, seiner Sportschule, des Berliner Turnerbundes sowie anderer Partner, beispielsweise der AOK Berlin, werden von Be-schäftigten gern und regelmäßig genutzt. So wird gewährleistet, dass alle Bildungsbereiche aktuellste Standards erfüllen und wissenschaftliche Erkenntnisse schnell in die pädagogische Pra-xis umgesetzt werden. Sehr großen Wert wird auf die Integration von Migrantenkinder gelegt. Heike Heibeck, Leiterin des Bewegungskindergartens Tabaluga, informierte mit Stolz darüber, dass 40 Prozent ihrer Kinder Migranten sind. Die Mädchen und Jungen kommen aus der Tür-kei, aus arabischen und afrikanischen Ländern, aus Polen, aber auch aus Russland und Ka-sachstan. Die Qualität der Betreuung in der KiB-Kitas hat sich inzwischen Berlin weit herum-gesprochen. Manche Eltern scheuen die weiten Wege zu einer KiB-Kita nicht. Im Bewe-gungskindergarten Tabaluga in Britz haben auch Mädchen und Jungen aus Tempelhof oder Treptow eine zweite Heimat gefunden. Eine größere Zahl von KiB-Kitas aber ist nicht mach-bar. „Wir wollen eine möglichst schlanke Einrichtung bleiben und ohne Zwischenleitungsebe-nen arbeiten“, begründet Bernd Wille. „Bei der monatlichen Leitungsrunde mit 21 Kita-Leitern sowie uns drei Personen der Geschäftsführung ist deutlich bemerkbar, dass für den inhaltli-chen Arbeitspeicher die obere Grenze erreicht ist.“
Text und Fotos: Peter Herrmann

Seitenanfang