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Tradition und Moderne unter einem Dach „Turngemeinde in Berlin“ mit breiter Palette
Mit Stolz verweist Edgar Grothkopp darauf, dass der Verein, in dem er die Funktion des Geschäftsführers ausübt, die Turngemeinde in Berlin, überall bekannt mit dem Kürzel TiB, der älteste Turn- und Sportverein in der Region Berlin-Brandenburg ist (gegründet 1848). Das 6.7 ha große Vereinsgelände, gelegen am Columbiadamm grenzt direkt an Jahnpark (Hasenheide) an, der Geburtsstunde des deutschen Turnens. Hier befinden sich sieben Tennis-Freiluftplätze, eine Bogenschießanlage; ein Stadion mit Baseballfeld, 400-m-Aschenbahn und weiteren Leichtathletikanlagen, vier Faustballfelder, ein zweigeschossiges Vereinsheim mit ca. 1.000 qm Nutzfläche inkl. komfortablen Dusch- und Garderobentrakten und großzügigen multi-funktionalen Sporträumen. Seit 1999 steht darüber hinaus eine Tennis- und Badmintonhalle (3 Tennis- und 4 Badmintonfelder) mit Schwingboden zur Verfügung. Seit 2002 betreibt TiB das ca. 4.000 qm große Freibad Friedrichshagen am Müggelseedamm als Vereinsschwimmbad. Auch im Wassersport ist der Verein präsent: In Spandau, Haselhorst und Köpenick werden drei Bootshäuser unterhalten. Im Bezirk Friedrichshain/Kreuzberg wurde eine Turnhalle zu einem Akrobatikzentrum ausgebaut. Organisiert in 23 Abteilungen werden in zurzeit bis zu 46 bezirklichen Hallen 30 Sportarten betrieben.
Viel Arbeit für wenig Leute Die Palette der sportlichen Angebote von TiB ist beeindruckend. Und die Angebote kommen an: Knapp 4.000 Mitgliedern belegen das nachdrücklich. Dass ein solch großes „Sport-Unternehmen“ nicht allein mit ehrenamtlichen Mitarbeitern betrieben werden kann, ist einleuchtend. Für die Durchführung ihrer umfangreichen Sportangebote beschäftigt die TiB etwa 120 Honorar-Trainer und Übungsleiter. Alle anderen Arbeiten aber wie die regelmäßig anfallende kleinere Reparaturen, Sauberhalten und Reinigung der Sportstätten, Rasen und Grünanlagenpflege, Vorbereitungen der Sportstätten (Netzaufbau, Linienziehung etc.) müssen von einem Hausmeister, zwei Platzwarten und einer Reinigungskraft bewältig werden. „Das ist nicht zu schaffen“, erklärt Geschäftsführer Edgar Grothkopp.
Auf dem Rasenmäher kein Feierabend Mit Hilfe von Azubis, Zivildienstleistenden, Praktikanten, aber auch mit vom Arbeitsamt bzw. Jobzentrum vermittelten ABM- bzw. MAE-Kräften ist es Grothkopp gelungen, das Vereinsgelände als Schmuckstück zu erhalten. Mit der BQG Sport für Berlin pflegt TiB bereits seit dem Jahr 1993 enge Kontakte. Knapp 50 von der BQG vermittelte Arbeitssuchende fanden seither bei TiB eine Beschäftigung. Die Zeitdauer differierte, reichte von sechs Monaten bis zu drei Jahren. Mit zwei dieser Beschäftigten, die auf dem Hauptgelände von TiB eingesetzt sind, konnten wir bei unserem Besuch sprechen. Der 50jährige Norbert Hartmann war acht Jahr arbeitslos. Der angelernte Schweißer und Straßenarbeiter sorgt am Columbiadamm unter Anleitung des Platzwartes dafür, dass der Elfmeterpunkt an der richtigen Stelle markiert ist, aber auch dafür, dass auf den Wege keine Stolpersteine liegen. „Wenn unsere Mitarbeiter auf dem Rasenmäher sitzen“, erzählt Edgar Grothkopp schmunzelnd, „dann kennen sie keinen Feierabend.“
Ein neuer Vollzeitjob trotz MAE Eigenschaften wie diese sind es, die die Verantwortlichen von TiB veranlassen, auch gern ältere MAE-Beschäftigte einstellen. „Für uns zählt weniger die vorhandene oder nicht vorhandene Qualifikation“, betont Grothkopp. „Zuverlässigkeit und Motivation helfen uns mehr.“ Peter Moucha, 57 Jahre alt, arbeitete bevor er arbeitslos wurde, als Hausmeister in einer Schule. Nach deren Schließung heuerte er als Karoserieklempner an. Die Firma ging Pleite. Nach fünf Jahren ohne festen Arbeitsplatz und zwei MAE-Maßnahmen ist er sehr froh darüber, dass bei TiB arbeiten kann. „Für uns, so betont Edgar Grothkopp, „trifft die hin und wieder anzutreffende Meinung, ABM- oder MAE-Beschäftigte nehmen den fest angestellten Mitarbeitern den Arbeitsplatz weg, nicht zu. Die bisher halben Stelle eines unserer fest angestellten Platzwartes haben wir im Sommer dieses Jahrs in einen Vollzeitjob umgewandelt.“
Text und Fotos: Peter Herrmann
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