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Mädchenzentrum „Wilde Hütte“
N ein, ernst nehmen darf man den Namen nicht. Denn weder ist das Gebäude, in dem die Einrichtung zu Hause ist, eine Hütte noch sind die Aktivitäten der Gäste als „wild“ zu bezeichnen. Trotzdem aber lohnt es sich, über das Mädchenzentrum „Wilde Hütte“ in Berlin-Britz, gelegen in unmittelbarer Nachbarschaft der Gropiusstadt, etwas zu erfahren. Die Geburtsstunde war 1993. Die Sportjugend Berlin und der Verein für Sport und Jugendsozialarbeit als Gründungsväter stellten sich der Aufgabe, mit nicht nur sportlich orientierten Angeboten Mädchen und jungen Frauen der Altersgruppe 10 bis 27jährig, neugierig zu machen. Die Wilde Hütte verfolgt eine doppelte Zielrichtung. Bei den täglichen Angeboten geht es vorrangig darum, Mädchen und junge Frauen durch aktive sportliche Freizeitgestaltung in Verbindung mit sozialpädagogischer Unterstützung in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu fördern. Das heißt konkret, es werden junge Frauen darin unterstützt, in Konflikten und Auseinandersetzungen, gerade in Bezug auf die Gleichberechtigung und Gleichbewertung bestehen zu können.
Dank der Unterstützung des Bezirksamtes Neukölln, einer guten Öffentlichkeitsarbeit und einer effektiven Mundpropaganda entwickelte sich der Nutzungsgrad des Klubs stetig. Heute, 14 Jahre nach der Eröffnung frequentieren wöchentlich mehr als 80 Mädchen und junge Frauen die Einrichtung. Wir will, kann mitmachen, unabhängig von Nationalität, Kultur, Religion, Hautfarbe und soziale Herkunft. Täglich außer am Wochenende sind die Tore geöffnet. Es gibt Angebote im Tanz, Kochen, Billard, Tischtennis, Inline-Skaten, Fitness und Ausdauertraining und Klettern. Bei unserem Besuch im Wildhüterweg gelangten wir, da wir den Haupteingang übersehen hatten, durch das Souterrain ins Haus. Unser erster Eindruck: Hier ist Leben in der Bude. Etwa 15 Mädchen im Alter zwischen acht und elf Jahren, die meisten von ihnen entsprechend bekleidet, übten sich, angeleitet von Sarah Paech und Regina Kriese, im Bauchtanz. Überhaupt steht die Nachfrage nach Tanzangeboten weit vorn, wie uns Stefani Charrabé, die seit 1995 das Haus leitet, erzählte. Die Angebote für Streetdance/Hip-Hop, Jazzdance und eben Bauchtanz stoßen auf reges Interesse. Doch es gibt auch Interessenten für andere Aktivitäten.
Jeden Donnerstag beispielsweise findet am Kletterturm unter Anleitung und Sicherung erfahrener Sportpädagogen gemischtes Klettern statt. Gemischt deshalb, weil, und das war ein Wunsch der Mädchen, sie gern einmal in der Woche ihren Freund mit in die Einrichtung mitbringen wollten. Und obwohl das Haus als reines Mädchenzentrum konzipiert ist, gab es seitens der Leitung keine Einwände. Eine Bedingung allerdings steht: Jedes Mädchen ist für den von ihr eingeladenen Jungen verantwortlich. Seit Mai 2006 hat sich die Wilde Hütte unter dem Titel „WILD-AKTIV“ einem neuen Betätigungsfeld zugewandt. Angesprochen werden junge Frauen von 17 - 25 Jahren mit oder ohne Schulabschluss. Unter dem Motto: „Wir machen Euch fit für Ausbildung und Arbeit" nehmen die jungen Frauen an einer sechsmonatigen Maßnahme teil. Das Besondere an dem Projekt ist der Vorbereitungskurs zum Erwerb des (erweiterten) Hauptschulabschlusses. R ealisiert wird „WILD-AKTIV" durch den Verein für Sport und Jugendsozialarbeit in Kooperation mit dem Jobcenter Neukölln, finanziert wird das Projekt mit Mitteln des Bezirksamts Neukölln und des Jobcenters Neukölln. Vier Lehrkräfte sind engagiert. Ihr Ziel ist es, den jungen Frauen, die aus dem gesamten Bezirk Neukölln kommen, wieder eine Perspektive zu vermitteln. Jede soll herausfinden, wo ihre Stärken liegen und was sie am liebsten macht. Darüber hinaus erwerben die Teilnehmerinnen wichtige soziale Fähigkeiten wie Pünktlichkeit, Teamfähigkeit und Konflikttoleranz. Sie lernen, Regeln zu akzeptieren und ihren Tag regelmäßig zu strukturieren. Fähigkeiten, die bei nicht wenigen fehlen, jedoch für ein erfolgreiches (Berufs-)Leben unabdingbar sind. Gegenwärtig läuft der fünfte Durchgang. Von 9 Uhr bis 15 täglich ist in der Wilden Hütte Lernatmosphäre angesagt. Nach 15 Uhr aber läuft das eigentliche Programm. An manchen Tagen sind die Türen des Hauses bis 21 Uhr geöffnet. Waren in den Anfangsjahren noch drei Sozialarbeiter beschäftigt, muss man heute mit anderthalb Planstellen das umfangreiche Betreuungsprogramm bewältigen. Sehr froh ist Stefani Charrabé deshalb, dass die BQG Sport für Berlin durch die Vermittlung von MAE-Beschäftigten tatkräftig mithilft, die anfallenden Aufgaben, beispielsweise die Ordnung und Pflege des großen Freigeländes, aber auch in den Räumen des Objektes in den Griff zu bekommen. Gerade am Tag unseres Besuches hatten sich zwei Bewerber vorgestellt, die in der nächsten Zeit die Einrichtung als Helfer unterstützen wollen.
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